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  • Instagram im Shitstorm – Eine Analyse

    Bis Mo. 17. Dez. 2012 ist die Welt für Instagram noch in Ordnung. Fast 79 Prozent positive Tonalität in den Konversationen in Twitter und es werden Themen wie Fotos und Bildfilter diskutiert. Okay, Twitter, Facebook, Tumblr und das Instagram-Update werden auch genannt, aber Hey wir sind in Social Media und da wird sowieso ständig geteilt und diskutiert. Alles bene.

    Mo. 17. Dez. 2012 – Erste Wolken am Horizont

    Kurz vor 16:00 Uhr: Was passiert denn jetzt? Die Themen Facebook und Nutzer ziehen an. Auch der Gesamt-Buzz geht ein wenig höher, als an anderen Montagen. Schnell mal die Tweets checken, die die Ausschläge verursachen. Aha, ifun.de berichtet, dass Instagram laut Instagram-Blog seine Datenschutzrichtlinien und Geschäftsbedingungen zum 16. Januar 2013 ändern wird, um Nutzerdaten mit Facebook austauschen zu können. Kann ja interessant werden, wie die Netzgemeinde reagiert.

    17:00 Uhr: Die ifun-Twitterer hatten wohl nicht genügend Follower und dementsprechend kaum Retweets. Alle Werte sind wieder auf Normal.

    Kurz vor 18:00 Uhr: Jetzt schlagen die Themen von vorhin ja schon wieder aus. Ursache: Heise.de berichtet ebenfalls und wird in Tweets zitiert. Diesmal gibt es mehr Retweets. Heise ist eben beliebt. Und es kommt noch Datenschutz als Thema hinzu. Die Netzgemeinde reagiert verhalten.

    19:00 bis 8:00 Uhr: Thema Datenschutz fällt wieder. Dafür kommt jetzt das AGB-Thema hoch, steigt weiter bis 22:00 Uhr und fällt langsam wieder. Dann steigen plötzlich wieder Nutzer und Datenschutz, weil gulli.com die Meldung kurz nach 23:00 Uhr gebracht hat. Und fallen wieder. Mal sehen, was die Nacht noch so bringt. Aber Deutschland geht ins Bett und bis 8:00 Uhr morgens bleibt es ruhig.

    Interessanterweise haben die Meldungen des Tages keine Auswirkung auf die Tonalität. Über den gesamten Montag sind 71 Prozent positiv und selbst am Abend gibt es keinen spürbaren Anstieg der negativen Aussagen.

    Top-10 Themen und deren Zeitverlauf am 17. Dez. 2012

    Top-10 Themen und deren Zeitverlauf am 17. Dez. 2012

    Di. 18. Dez. 2012 – Der Sturm bricht los

    08:16 Uhr: Die Neue Zürcher Zeitung teasert ihren Artikel „Kein Ende der Datenschutzdiskussion“ über den Datenschützer Thilo Weichert und Änderungen an den Instagram-Nutzungsbedingungen mit dem reißerischen Tweet „Facebook: Datenschützer für Recht auf Pseudonym, Instagram will Bilder ohne Wissen der User verkaufen“.

    Ab 08:24 Uhr: Die Themen Foto und Verkauf steigen steil an. Der NZZ-Tweet wird mehrfach retweetet. Kurz danach gesellt sich noch das AGB-Thema dazu. Bis 11:00 Uhr sind die drei Themen auf ein Hundertfaches ihrer sonstigen Nennungszahl gesprungen.

    Top-10 Themen und deren Zeitverlauf am 18. Dez. 2012

    Top-10 Themen und deren Zeitverlauf am 18. Dez. 2012

    Eine Analyse der zitierten Quellen zeigt, dass neben der NZZ auch Netzpolitik.de, das ZDF via Heute.de, der WDR, die ZEIT Online und Golem.de das griffige Instagram-will-Bilder-verkaufen-Thema in ihren Artikeln aufgegriffen und via Twitter geteasert haben. Der so ausgelöste Sturm von Retweets bringt die Themen derartig nach oben. Die ZEIT Online hat daran den größten Anteil, gefolgt von Netzpolitik, Golem, WDR und ZDF.

    Verteilung der zitierten Quellen am 18. Dez. 2012

    Verteilung der zitierten Quellen am 18. Dez. 2012

    Wie elektrisiert springt die Netzgemeinde auf und der Twitter-Sturm bricht los. Die Anzahl der Tweets explodiert. Waren es vorher durchschnittlich 500 Tweets pro Tag sind es am 18. Dez. über 7.000 – allein in der Stunde von 12:00-13:00 fast 1.000 Tweets. Sofort schlägt die Tonalität ins Negative. Über den ganzen Dienstag wird zu 83 Prozent negativ über Instagram gesprochen. Nutzer wollen ihren Account löschen, sie protestieren, wollen den geänderten AGBs widersprechen und schlagen Alternativen vor.

    Allerdings gibt es auch Nutzer, die ihren Account behalten wollen. Manche Twitterer machen sich sogar über Nutzer lustig, die ihren Instagram-Account überstürzt löschen wollen. Nicht jeder glaubt den Medien und erste Kritik wird gegen die Medien und ihrer reißerischen Berichterstattung laut – noch leise, aber doch vernehmbar.

    Positive (links) und negative (rechts) Aussagen 18. Dez. 2012

    Positive (links) und negative (rechts) Aussagen 18. Dez. 2012

    Trotzdem, der Shitstorm ist da. Er hat sich innerhalb von nur zwei Stunden aufgebaut und nach vier Stunden seinen Höhepunkt erreicht.

    Kurz vor Mitternacht trudeln die ersten Tweets ein, die von einer Reaktion seitens Instagram berichten. Kevin Systrom, Mitbegründer von Instagram, hatte mit einem weiteren Blog-Beitrag „Thank you, and we’re listening“ auf die Proteste reagiert, bei den Nutzern um Entschuldigung gebeten, die geplante Verwendung der  Fotos klargestellt und eine Korrektur der AGB-Änderungen angekündigt.

    Mi. 19. Dez. 2012 – Sturm im Sturm – Medien geraten in die Kritik

    Die ganze Nacht hindurch ist das Zurückrudern von Instagram bereits das Hauptthema, um ab 06:00 Uhr noch extrem zuzulegen. Dass ein Bildverkauf nicht beabsichtigt war bzw. man nie Bilder verkaufen wollte, sind mit dem Zurückrudern die Top-Erkenntnisse des Mittwochs.

    Top-10 Erkenntnisse am 19. Dez. 2012

    Top-10 Erkenntnisse am 19. Dez. 2012

    Obwohl der Buzz von 7.000 auf circa die Hälfte zurückgeht, bleibt die extrem negative Tonalität von 84 Prozent erhalten. Immer noch protestieren Nutzer gegen die geplanten Änderungen und werfen Instagram wie auch den Medien Versagen vor. Sie beklagen sich über die „traurige Realität“, dass die Medien unreflektiert Spekulationen und Interpretationen als Wahrheiten verbreiten. Ein Shitstorm im Shitstorm.

    Positive (links) und negative (rechts) Aussagen 19. Dez. 2012

    Positive (links) und negative (rechts) Aussagen 19. Dez. 2012

    Auch die Medien reagieren. So ändern sich beispielsweise im Kontext von ZEIT-Online-Tweets die Themenschwerpunkte auf Missverständnis, Meldung und Journalist. ZEIT Online hatte nämlich getwittert „Die neuesten Berichte über #Instagram hatten Fehler. Das lag am Unternehmen- und an Journalisten. Uns eingeschlossen.“ Die Selbstkritik gefällt der Netzgemeinde und wird fleißig verbreitet. Andere Medien, wie Spiegel Online und Heise.de greifen die Selbstkritik nicht auf und berichten nur über das Zurückrudern von Instagram.

    Do. 20. Dez. 2012 – Wieder Normalzustand?

    Top-10 Erkenntnisse am 20. Dez. 2012

    Top-10 Erkenntnisse am 20. Dez. 2012

    Obwohl sich der Buzz mit circa 600 Tweets pro Tag fast wieder auf dem Durchschnittswert befindet, ist die Tonalität mit 88 Prozent immer noch deutlich negativ. Ursache ist unter anderem ein Tweet, der den Wechsel von Instagram zu Flickr vorschlägt.

    Die diskutierten Erkenntnisse sind ähnlich denen vom Vortag, aber mit insgesamt weit weniger Nennungen. Der Sturm bzw. die Stürme sind durchgezogen. Bald dürfte wieder Normalzustand herrschen. Nur Instagram hat ein paar Nutzer weniger.

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